Freitag, 18. Oktober 2013

Ein kleines, feines Buch

"Das Geheimnnis der Eulerschen Formel" von Yoko Ogawa

Ein Taschenbuch, 250 Seiten, normale Schrift. Warum nenne ich es ein kleines Buch? Es ist ja nicht kleiner oder dünner als jedes andere Taschenbuch.

Es ist klein und fein, weil es zart ist. Es berührt. Die wunderbare Sprache nimmt uns leichtfüßig mit in eine fremde Welt und lässt uns teilhaben an einer Menschenliebe, die die Mauern der Vergeßlichkeit über- windet. Die ungewöhnliche Geschichte des Mathematikprofessors, der nach einem Unfall eine Gedächtnis-spanne von lediglich 80 Minuten hat, und der Haushältern, die als allein erziehende Mutter den Lebens-unterhalt für sich und ihren kleinen Sohn verdienen muss, zeigt uns wie Toleranz und Zuneigung es möglich machen auch Menschen zu erreichen, die in ihrer eigenen Welt leben.

Absolut lesenswert.

Achtung - Lesewarnung!

Nun hat jeder Autor mal ein goldenes Händchen und mal gelingen die Werke nicht ganz so. Wenige können ein hohes Niveau konstant halten. Elizabeth George gehörte bisher zu den wenigen Krimiautoren, die sehr produktiv und dennoch recht konstant in der Qualität geblieben sind. Sie gehört zu meinen absoluten Favoriten in diesem Genre. Nein! Sie ist meine Favoritin.

In ihren Kriminalromanen geht es nicht darum, mit den findigsten, ungewöhnlichsten Tötungsarten zu schockieren oder mit verschlungenen Verfolgungs- und Verbrecherjagden den Leser zu fesseln. Elisabeth George richtet den Fokus auf das Milieu, in dem sich Täter und Opfer bewegen. Woher kommen sie? Was sind ihre persönlichen, ethnischen, gesellschaftlichen Besonderheiten? In welcher Beziehung stehen sie zueinander? Warum sind sie sich begegnet? Immer sind die Romane auch Gesellschaftsstudie, keine Gesellschaftskritik . Elizabeth George ist eine sensible Beobachterin und betreibt eine gewissenhafte Recherche. Obwohl die Autorin Amerikanerin ist und fernab von sozialen Problemen lebt, nimmt sie den Leser in jedem ihrer Bücher auf eine Reise in die Tiefen der britischen Gesellschaft mit. Zu den Vergessenen in die düsteren Problemviertel, zu den Bürgern des großen Common Wealth, die im Heimatland ihrer Königin nicht weiter entfernt vom "Wealth" sein können. Aber auch die Upperclass, Traditionen, wunderschöne Landschaften und liebenswerte britische Originale macht sie uns bekannt.

Nach mindestens 13 Kriminalromanen stehen nun "nur" Romane von Elisabeth George im Regal. Im Vertrauen auf die Erzählkunst meiner Favoritin kaufte ich "Sturmwarnung - Whisper Island". Nun ist meine Heldin vom Sockel gestürzt! Langatmig, eine oftmals konstruierte und wenig glaubwürdige Geschichte. Sprachlich kein Genuss, und nach all der Langatmigkeit am Ende kein - ENDE! Liegt es daran, dass der Roman in Amerika und nicht in England spielt? Will sich die Phantasie im Heimatland nicht entwickeln lassen?

Elizabeth- bleib bei Deinen Krimis und Leser- bleib diesen Romanen fern!

Dienstag, 13. August 2013

Braucht die Welt Bücher ?


Es kann nur eine Antwort geben: ja! Die Welt ist voller wunderbarer Bücher, die gefunden und gelesen werden wollen. Wieviel Zeit hat man noch, um sie alle zu finden und zu lesen? Reicht die Zeit bis zum Ende? Manchmal sorge ich mich, dass ich bis dahin nicht mehr genügend lesen kann. Wie lange kann man noch ohne Beschwerden lesen? Wann ist die Konzentration nicht mehr ausreichend? Wann ist das Augenlicht zu schwach, um die Buchstaben zu erkennen?
Aber dann: finden sich vielleicht liebe Menschen, die einem Vorlesen? Können Hörbücher das Lesevergnügen ersetzen? Wie ist es mit Erinnerungen? Können sie die Begeisterung und das Vergnügen wiederholen, die man beim Lesen der Lieblingsbücher empfunden hat? 1000 Fragen. und hoffentlich eine Antwort: ja!

Freitag, 13. Juli 2012

Lesetipp für den Urlaub: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Große Literatur? Nein, bei Weitem nicht, aber ein kurzweiliger, amüsanter Roman für den Urlaub. Die erstaunliche Lebensgeschichte eines Greises, der an seinem 100. Geburtstag vor den offiziellen Ehrungen flieht und nicht nur verrückte Abenteuer erlebt, sondern auch neue Freunde findet. Die Rückblicke auf sein langes Leben erinnern an Forrest Gump: immer wenn große politische Ereignisse die Welt bewegen, ist der Alte darin verwickelt. Die letzten 100 Jahre Weltgeschichte wären anders verlaufen, wäre Allan Karllson nicht immer dabei gewesen! Und das, obwohl er sich überhaupt nicht für Politik interessiert.
Auf seiner Flucht vor den Geburtstagsfeierlichkeiten gerät der Alte in eine atemberaubende Gaunergeschichte, in der es auch an Mord und Totschlag nicht fehlt. Nicht nur das: eine Elefantendame, eine Rockerbande, ein ungleiches Bruderpaar und eine unterbelichtete indonesische Diplomatenwitwe gehören zu einem Reigen skurriler Romanfiguren, die das (wohl) letzte große Abenteuer mit dem Alten bestehen.
Resumee: Buch zum Schmunzeln mit großem Spaßfaktor! Sehr empfehlenswert.

Mittwoch, 18. April 2012

Gerade gelesen ....

In den vergangenen Monaten habe ich einige Bücher entdeckt, die auf jeden Fall lesenswert sind. Besonders zu erwähnen ist "Rabenliebe" von Peter Wawerzinek. Der Titel spielt auf den Begriff "Rabenmutter" an, denn der Autor wurde als Kleinkind von der eigenen Mutter in ein Heim gegeben. Fortan wächst er ohne Mutterliebe auf und sein Heranwachsen ist von dem Gefühl eines Verlustes und vom Fehlen einer Vorstellung, was Mutterliebe eigentlich ist,  geprägt. Für Mutterbesitzer sind die Gefühle und das Erleben des mutterlosen Kindes eine interessante Reise in eine fremde Gefühlswelt. Daneben erfährt man ein wenig über das Leben in der DDR und die Sehnsucht nach Freiheit.

Für Liebhaber von Romanen, in denen Familiengeheimnisse eine große Rolle spielen, ist "Bumerang" von Tatiana de Rosnay zu empfehlen. Zwei Geschwister, die anlässlich eines Geburtstages ein Wochenende an der französischen Küste verbringen, an einem Ort, der in der glücklichen Kinderzeit, als die früh verstorbene Mutter noch lebte, von der Familie regelmäßig in den Sommeferien aufgesucht wurde. Die Erinnerung an die Mutter ist verblasst, aber der Aufenthalt fördert doch manches Erinnerungsbild zu Tage. Auf der Rückreise kommt es ohne äußeren Anlass zu einem tragischen Unfall. Die Aufklärung der Unfallursache führt zur Aufdeckung eines totgeschwiegenen Familiengeheimnisses, dass selbst nach vielen Jahrzehnten die Beziehung der Familienmitglieder zueinander nachhaltig verändert.

Zur Zeit lese ich "Die Kinder der Elefantenhüter". Ein skurilles Buch. Eine verrückte Geschichte, sprachlich anspruchsvoll, manchmal satirisch, manchmal unschuldig, manchmal philosophisch, immer ungewöhnlich. Ein Genuss!

Montag, 26. September 2011

Eine schöne Zeit ohne Bücher- geht das?


Solange ich lesen kann haben Bücher mir viel bedeutet und freie Zeit ohne ein Buch in der Hand konnte ich mir kaum vorstellen. In jedem Urlaub waren Bücher meine ständigen Begleiter, ob in Dänemark, Schweden, England, Österreich, Italien, Polen, USA ...... ohne Buchbegleiter wären die Urlaube nur halb so schön gewesen.

In diesem Jahr hat uns nun eine Einladung zur Hochzeit nach Südafrika geführt. In einer privaten Game Lodge und später auf einer Rundreise zum Indischen Ozean verbrachten wir eine wunderschöne Zeit in der Natur und bei der Beobachtung der Wildtiere dieses wunderschönen Kontinents. So beeindruckend waren die Schönheit der Tiere, die Leuchtkraft der Farben, das Gold der Sonne und die Diversität der Landschaft, das die mitgebrachten Bücher neu und unangetastet wieder den Weg nach Hause nahmen. Das ist noch nie vorgekommen und spricht Bände darüber, wie tief und nachhaltig dieses Land auf mich gewirkt hat. Eine echte Konkurrenz für meine geliebten Bücherfreunde!

Aber jetzt bin ich wieder daheim, der Alltag hat mich wieder und die Bücher auch! Willkommen zurück in meinem Leben!

Dienstag, 1. März 2011

The curious incident of the dog in the night-time


Wie nimmt ein Autist Alltagssituationen wahr? Wie kommt es zu Konflikten mit anderen Menschen? Warum ist es so schwer miteinander zu kommunizieren?
Das Jugendbuch "The curios incident of the dog in the night-time" von Mark Haddon (mit guten Schulenglischkenntnissen bestens zu verstehen) lässt den Leser teilhaben an den Ängsten, der anderen Wahrnehmung und den Missverständnissen eines autistischen Jugendlichen und seinen Bemühungen alles richtig zu machen. Meist gelingt ihm dieses nicht, weil die Erwartungen der Anderen von dem sensiblen und begabten Jungen ganz anders wahrgenommen werden, als die Mitmenschen sie gemeint haben.
Ein Buch das betroffen macht: nichts ist so eindeutig, wie es aussieht. Botschaften sind nicht so klar, wie man glaubt. Es gibt immer eine andere Seite. Reaktionen, die übertrieben und aggressiv erscheinen, erklären sich, wenn man durch die Brille des Anderen schaut. Und ganz nebenbei lernt man noch, dass mathematische Regeln sich spielend einfach erklären lassen ....... wenn man sie mit den Augen eines Autisten sieht!

Meine Empfehlung: dieses Buch ist ein Muss! Für Jugendliche und ganz besonders für Erwachsene.