Montag, 29. Januar 2018

Yuval Noah Harari- Eine kurze Geschichte der Menschheit


Schon viel ist über die Entstehung des Menschen und die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft geschrieben worden. Vieles habe ich gelesen. In den letzten Jahren wurde aufgrund vieler Forschungsergebnisse insbesondere der Primatenforschung eine Fragestellung immer eminenter: Was unterscheidet den Menschen von den Tieren? Lange war die schnelle Antwort: der Gebrauch von Werkzeugen! Heute wissen wir: viele Tiere, sogar sehr einfach gestrickte mit wenig brainpower nutzen Werkzeuge um sich Nahrungsquellen zu erschließen oder die Umwelt ihren Bedürfnissen entsprechend anzupassen. Die Genforschung zeigt, dass wir unsern Vettern den Primaten bis auf nur 1% Abweichung in der DNA ähneln.

Die Antwort auf die Frage muss also viel differenzierter ausfallen. Und hier kommt dieses großartige Buch ins Spiel! Mein Freund, der Tierfotograf Benny Rebel, hat so begeistert über dieses Buch geschrieben, dass ich dem nichts hinzufügen möchte:




Am Ende eines jeden Jahres nehmen sich viele Menschen vor, mit guten Vorsätzen ins neue Jahr zu starten und ab dann einiges besser machen zu wollen. Ich habe mir seit einigen Jahren immer wieder vorgenommen, mich im neuen Jahr mehr zu bilden und mir mehr Wissen anzueignen.

In diesem Jahr traf ich einen sehr netten Menschen, der mit mir durch den Norden Kenias reiste und er schwärmte von einem Buch, das jeder einmal gelesen haben sollte. Er meinte, dass dieses Buch in jeder Schule unterrichtet werden müsse, weil es uns hilft, viele Zusammenhänge in unserer Welt und von unserem Leben besser zu verstehen.

Somit folgte ich seinem Rat und besorgte mir dieses Buch als Hörbuch, da ich mich so während meiner Arbeit am Computer weiterbilden kann. Der nette Teilnehmer meiner Fotosafari hatte Recht. Dieses Buch bringt das Thema auf einer sehr informativen und unterhaltsamen Weise dem Leser nah und öffnet den Horizont ungemein, weil viele Zusammenhänge in unserem Leben sehr anschaulich und intelligent mit einander verknüpft werden.

Die einzelnen Thesen waren mir bereits von anderen Büchern bekannt, jedoch dem Autor dieses Buches ist die Verknüpfung dieser historischen Thesen hervorragend gelungen.

Es ist die Rede von dem Buch mit dem Titel „Eine kurze Geschichte der Menschheit“, das ich Euch für das neue Jahr unbedingt ans Herz legen würde. Es erweitert ganz sicher den geistigen Horizont eines jeden Lesers!

Der Historiker „Yuval Noah Harari“ ist der Autor dieses genialen Meisterwerkes und in diesem Buch beschreibt er sehr anschaulich die Geschichte unserer Erde und unserer Entstehung, sowie die sozialen und religiösen Zusammenhänge von verschiedenen Kulturen und viele andere interessante Themen, die mich persönlich beflügelten.

In diesem Buch beschreibt der geniale Uni-Professor aus Israel, wie der Mensch es schaffte, die Höhle hinter sich zu lassen und die Welt zu erobern und welchen Preis er selbst und seine Umwelt dafür bezahlen mussten.

Euch allen wünsche ich einen guten Rutsch ins neue Jahr und wenn Ihr Euch weiterbilden und Menschen wie Benny Rebel besser verstehen wollt, dann würde ich Euch dieses Buch sehr empfehlen!

Dienstag, 30. Mai 2017

Anonymous Rex -die Dinos sind unter uns

Durch Zufall bin ich an ein Buch geraten, welches ich mir wohl kaum jemals gekauft hätte!

Auf einer Parkbank hatte ich mittags einen liegengebliebenen Einband gesehen. Ich ging davon aus, dass jemand den Verlust bemerken und das Buch bald abholen wuerde. Als um Mitternacht bei meiner letzten Hunderunde das Buch noch immer dort lag und bei einsetzendem Nieselregen Schaden zu nehmen drohte, habe ich es als liber amicus in meine Obhut genommen und gerettet.

Unter dem Titel "Anonymos Rex" konnte ich mir gar nichts vorstellen und die ersten gelesenen Seiten verwirrten mich zusätzlich. Da erzählt ein Detektiv von seinem aktuellen Beschattungsjob und dass er "auf Basilikum" ist, das erst einen Glimmer verursacht und dann ordentlich knallt ???!!!

Wenig später erschliesst sich mir: ich bin an einen Fantasyroman geraten! Die Dinosaurier sind vor Millionen von Jahren nicht ausgestorben, sondern haben sich der menschlichen Lebensform angepasst. Sie sind kleiner geworden, haben sich dem menschlichen Denken angepasst und gelernt sich unbemerkt in der menschlichen Gesellschaft zurecht zu finden. Mit aufwändigen Kostuemen und Masken aus Latex, mit Gurten und Schnallen quetschen sie sich in menschliche Formen und leben unbemerkt unter den Homo Sapiens. Als Erbe ihrer Gattung sind sie besonders stark und haben hoch entwickelte Sinne und Instinkte.

Der Held des Romans ist ein Velociraptor namens Vincent Rubio. Ein auf dem absteigenden Ast befindlicher Detektiv, ein absoluter Loser, der einen letzten Auftrag von seinem Chef erhält, nachdem er zuvor mit einem Auftrag kläglich gescheitert ist und den Tod seines besten Freundes zu verantworten hat.

Nicht ganz Ernst zu nehmen, schrullig, amuesant und skurril wird ein Skandal ausserordentlichen Ausmasses aufgedeckt, der die moralischen Empfindungen der Dinowelt erschuettert. Unter Einsatz seines Lebens ermittelt Rubio in Los Angeles und New York und trifft dabei auf verlogene Menschen, sinnenfreudige Saurier, ruecksichtslose Wissenschaftler und verfuehrerische Frauen.

Jurassic Park mal anders 😃 Ermittlungen in der Dinosaurier Unterwelt, Scharaden, tödliche Begegnungen, gefährliche Spurensuche und Verfolgungsjagden machen das Buch unterhaltsam und spannend und auch eine humorvolle Komponente kommt nicht zu kurz. Es ist kurzweilig und die 300 Seiten lesen sich schnell weg. 

Mir hat die Lektuere Spass gemacht. Wer nicht alles bierernst nimmt und einfach mal "just for fun" eine verrueckte Geschichte lesen will, der sollte sich an diesen Roman heranwagen. Habe uebrigens gerade herausgefunden, dass er verfilmt wurde 😮

Samstag, 4. März 2017

A little life/ Ein bisschen Leben von Hanya Yanagihara

Wer sich nicht vor dicken Buechern fuerchtet, seine Nervenstärke austesten möchte und sprachliche Gewandtheit (hoffentlich auch in der deutschen Uebersetzung, ich habe das englische Original gelesen) liebt, der sollte dieses Buch der Newcomerin Hanya Yanagihara nicht verpassen. Auf immerhin 720 Seiten jagt uns die Autorin durch das "bisschen Leben", dass so viele Tiefen, so viele Wendungen und so ein furioses Ende hat, dass man sich am Ende selbst fuehlt, als sei ein viel zu kurzes Leben zu Ende gegangen. Trotz des grossen Leseumfanges hielt ich das Buch nach dem Durchlesen in der Hand und fuehlte eine Leere, wie selten in solch einem Moment. Nach kurzem Ueberlegen fing ich von vorne an zu lesen. Das konnte doch nicht alles einfach so vorbei sein!

Ich werde in meiner Besprechung nicht all zu viel von den Inhalten verraten, um die unglaublichen und mitreissenden Ereignisse nicht vorwegzunehmen. Ich rate auf jeden Fall davon ab, die ueblichen Rezensionen vorab zu lesen. Darin wird leider sehr viel verraten, was dem Buch einen Teil der Spannung nimmt.

Es beginnt wie ein amerikanischer Traum: vier Collegefreunde, alle ungewoehnlich talentiert, gut aussehend, zum Teil mit reichem Elternhaus, versuchen nach dem Studium in ihren Berufen Fuss zu fassen. Der charmante, blendend aussehende Frauenschwarm Willem als Schauspieler, der verträumte Malcolm aus reichem Elternhaus (der einzige der vier, der noch zu Hause wohnt) als Architekt, der unterhaltsame, geistreiche J.B. als Maler und schliesslich Jude, aufopferungsvoller, liebender Freund und hochbegabt als Jurist. Er ist als Waisenjunge im Kloster und im Heim aufgewachsen, hat eine leichte Gehbehinderung und ist von den Vieren der sensibelste. Die Vier sind lebenslang unzertrennbar, geben aufeinander Acht. Jude ist der charismatische Mittelpunkt des Quartetts.

Aber mit jedem Kapitel bekommt der Traum mehr Risse. Es sind nicht die Äusserlichkeiten, sondern die Gefuehle, die Ängste, die Zweifel, die an dem schönen Leben nagen. Vor allem Judes Lebens- und Leidensgeschichte wird Schicht um Schicht frei gelegt und schockiert mit ihrer Heftigkeit. Mit Wucht und ohne Ruecksichtnahme lässt uns die Autorin in Abgruende blicken, lässt uns Schmerz und Verzweiflung miterleben. Man wird von dem Strudel mitgerissen und kann nicht aufhören zu lesen. Manchmal ist das Weiterlesen selbst eine Art Folter. Auch fuer die Freundschaft der Vier wird Judes Ringen mit den Geistern der Vergangenheit zur Zerreissprobe.

Wer sehr zart besaitet ist, wird die Geschichte schwer ertragen können. Noch nie habe ich die Gefuehle, die verdrehte Wahrnehmung, die fern ab von der Realität im tiefsten Inneren gezogenen Schluesse einer verletzten Seele so intensiv mitfuehlen können. Yanagihara versteht es meisterhaft Zweifel, Selbstverachtung, Versagensängste und tiefste Verzweiflung zu beschreiben. 

Aber wir erleben auch tiefe Freundschaft, wahre Liebe und menschliche Guete. Wir können eine wunderbare Liebesgeschichte miterleben. Zwei Menschen, die sich zutiefst vertrauen und lieben, ueber alle Konventionen hinweg. Kann diese Liebe Heilung fuer Judes tief verborgene Verletzungen bringen?
Ich werde es nicht verraten. Und empfehle es selbst herauszufinden.

Dienstag, 7. Februar 2017

Ein Albtraum fuer alle Eltern

Ihr habt zwei Tage Zeit Euch nur dem Lesen zu widmen? Ihr habt als Muetter starke Nerven? Dann beginnt das Buch "Das Mädchen, das rueckwärts ging" von Kate Hamer zu lesen. Man kann es nämlich nicht aus der Hand legen, bis man zum Ende und damit zur Aufklärung gekommen ist.

Als Carmel 8 Jahre alt ist und mit ihrer Mutter ein Kinderfestival besucht, verschwindet sie spurlos. Die verzweifelte Mutter wird von Schuldgefuehlen, Hoffnung, Verzweiflung getrieben. Alles Suchen, jede Spur bleibt erfolglos. Jahrelang bleibt die Tochter verschwunden. Der verwaisten Mutter bleibt nichts anderes uebrig, als weiter zu leben und sich ihr Leben ohne ihr Kind zurueck zu erobern. In dieser Zeit werden der Ex-Ehemann und Vater von Carmel und seine neue Frau ihre engsten Vertrauten. Plötzlich wird das möglich, was das Elternpaar frueher nicht geschafft hat: man redet miteinander, man vertraut sich einander an, man teilt den Schmerz.

Weit weg von zu Hause lebt Carmel nun mit ihrem vermeintlichen Grossvater und seiner Lebensgefährtin. Auch sie muss sich mit ihrem neuen Leben arrangieren. Sie wurde von einem religiösen Eiferer und Scharlatan entfuehrt, der in ihr eine besondere Gabe entdeckt zu haben glaubt und die "Enkelin" als Heilerin bei religiösen Versammlungen auftreten lässt.

Einfuehlsam und  und gefuehlvoll schreibt die Autorin uns die Verzweiflung der Mutter ins Herz, aber auch die Selbstbehauptung des Mädchens, dass seine Ängste und Einsamkeit ueberwindet, sich zwar mit seiner neuen Lebenssituation abfindet, aber seine wirkliche Identität und die Liebe zur Mutter nie verrät. Der Erzählstrang wechselt jeweils in die Perspektive der Mutter zu der der Tochter.

Sehr nachvollziehbar und authentisch können wir als Leser den Kampf der Mutter um ihr Kind und ihr Seelenheil miterleben und gleichzeitig Carmels Entwicklung vom Kind zum selbstbewussten jungen Mädchen mitverfolgen. Wohl kaum jemanden haben nicht als Eltern Verlustängste geplagt, und sei es nur fuer Momente, in denen man die Kinder verloren glaubte und die die Welt um einen herum und das tiefste Innerste zusammen brechen liessen. In diesem Buch wird der Albtraum wahr und wir durchleben ihn mit Mutter und Tochter.

Donnerstag, 12. Januar 2017

Ihr wollt wissen, was in den USA abgeht?


T.C. Boyle lässt uns ein wenig in die Seele der USA abseits von Glamour und Hollywood blicken. Hier geht es nicht um "Yes we can" um "Change" oder eine bunte Regenbogengesellschaft. Hier sind wir in der Weite Amerikas, dem Land des weissen Mannes. Des wuetenden weissen Mannes. Hier zählt "This land is my land" und "I stand my ground". Das Verständnis von persönlicher Freiheit geht hier so weit, dass die Arbeit der Polizei als unzulässige Einmischung in persönliche Angelegenheiten empfunden wird.

Adam, der tragische Held des Romanes, ein Kind der Wohlstands-gesellschaft, ist längst ein Aussenseiter geworden. Er träumt sich in den Wilden Westen hinein und eifert seinem Idol John Colter nach, der sich gegen alle Feinde verteidigen kann und dem Schicksal immer wieder ein Schnippchen schlägt. Wie er fuehrt Adam ein einsames Leben ausserhalb des gesellschaftlichen Rasters. Anders als ein Held erträgt er sein Dasein jedoch fast nur vollgedröhnt und hat sich in den Bergen eine Hanfplantage angelegt. Jede Begegnung mit der "normalen" Welt endet gewöhnlich im Chaos, weshalb er nur selten Kontakt sucht. Eine Liebesaffäre mit einer Gleichgesinnten, die ihren eigenen Krieg gegen die Behörden fuehrt aber noch nicht aus der Welt gefallen ist, bringt ihn punktuell wieder mit der Gesellschaft zusammen. Mit Sara verbindet ihn Sex und der gemeinsame Hass auf die Ordnungsbehörden.  Weil sie "keinen Vertrag mit dem Staat" und ihr Auto nicht ordnungsgemäss angemeldet hat, wurde dieses bei einer Polizeikontrolle ebenso konfisziert wir ihr Hund, der in ein Tierheim gebracht wurde. Die Befreiung ihres Hundes hat fuer sie oberste Priorität und Adam wird zum Unterstuetzer. Ein widerrechtlicher Befreiungsversuch, befeuert von Adams gewalttätigem Hass fuehrt endgueltig ins Chaos.

Adams innere Wut, die ausweglosen Situationen, in die er sich immer wieder hinein manövriert hat und ein zunehmender Realitätsverlust steigern seine Gewaltbereitschaft und befeuern die Spirale von Gewalt und Gegengewalt. Die Staatsgewalt ruestet auf und es kommt zum finalen Showdown.

Meisterhaft beschreibt T.C. Boyle die Schule der Gewalt. Hier lernen wir die Persönlichkeiten und die Gemuetszustände kennen, die zu den gewalttätigen Endladungen fuehren, von denen wir mit Entsetzen in den Medien hören. Die Frage, wie viel Freiheit und wie viel Individualismus eine Gesellschaft aushalten kann und muss, drängt sich auf. Der Härtetest fuer unsere deutsche Gesellschaft hat mit immer brutaleren Gewaltexzessen, der Fluechtlingswelle, dem Terrorismus, den Reichsbuergen, dem wiederkehrenden Nationalismus wohl gerade erst begonnen.


Dienstag, 25. Oktober 2016

Schmuddelwetter-Lesezeit

Jetzt sind sie wieder da: die grauen, regennassen Tage, die einem auf´s Gemuet schlagen. Im Freundeskreis sind etliche auf die spanischen Inseln oder gar in die Karibik gefluechtet. Heute war zum ersten Mal in diesem Herbst der Fernsehturm im Nebel verschwunden. Einzig die Verpflichtungen gegenueber dem geliebten Vierbeiner vermögen den inneren Schweinehund zu ueberwinden und einen ins Schmuddelwetter zu treiben.
Aber: jetzt ist auch die Zeit der Schmöker! Wenn nicht jetzt, wann sonst ist die Zeit um dicke Wälzer hervorzuholen und sich auf stundenlange Leseeinheiten auf dem Sofa einzurichten? 
Einer Empfehlung folgend habe ich mit einer Trilogie von Ken Follett begonnen. Erster Teil "Sturz der Titanen" (1037 Seiten); zweiter Teil "Winter der Welt" (1040 Seiten); dritter Teil "Kinder der Freiheit" (1216 Seiten).
Den zweiten Teil habe ich nun fast zu Ende gelesen, ich denke, da kann ich schon einmal eine Beurteilung abgegeben. Ken Follett rollt die Geschichte Europas im 20./21. Jahrhundert vom 1. Weltkrieg bis hin zum Fall der Berliner Mauer mit Hilfe der Geschichte dreier Familien auf, die jeweils in Russland, Amerika und Deutschland leben und ueber die Jahre immer wieder miteinander in Beziehung stehen. Alle bedeutsamen Ereignisse der Epoche, mögen es die Streiks um bessere Arbeitsbedingungen in den Minen von Wales, der Beginn des ersten Weltkriegs, die Revolution in Russland, Ost-West-Spionage, die Machtergreifung der Nationalsozialisten, der Bau der ersten A-Bombe, der Angriff auf Pearl Harbour, Stalingrad oder der Fall Berlins sein: alle diese Ereignisse sind sorgsam recherchiert und in ihrem politischen Zusammenhang dargestellt. Die persönlichen Erfahrungen der Akteure im Roman bringen uns die jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen nahe. Man hat das Gefuehl,  die damalige Zeit und die politischen Verwicklungen besser zu verstehen. Die Ausschmueckung mit den allzu menschlichen Schicksalen, Anpassung, Widerstand, Glueck und Unglueck, Liebe und Hass machen die sehr seitenstarken Bände kurzweilig und gut lesbar. Sprachlich sind sie keine Herausforderung. Ob das an der Uebersetzung aus dem Englischen liegt, kann ich nicht sagen. Immerhin sind einige offensichtliche Uebersetzungs- und Sprachfehler enthalten.
Meine Leseempfehlung: unterhaltsamer und gleichzeitig lehrreicher Lesestoff fuer unangenehme Herbst- und kalte Wintertage. Wunderbare Urlaubslektuere. Die Bände bauen aufeinander auf, können aber auch gut einzeln gelesen werden.  




Sonntag, 21. August 2016

Ein Wälzer, der es in sich hat: Frank Schätzing BREAKING NEWS



Auf den ersten Blick und nach den ersten Seiten kommt Breaking News als typisches Männerbuch daher. Was meine ich damit? Es geht um Krieg, um Gewalt, Geheimdienste, Terrorismus, um Gefahr und tödliche Konfrontationen. Nicht so wirklich das, was Frauen gerne lesen (sorry wenn ich ein wenig stereotyp klinge). Hauptakteur ist Tom Hagen, ein Starreporter, wie er unsympathischer nicht sein könnte: egoistisch, untreu, versoffen, karrieregeil, unzuverlässig und über die Maßen Gefahren zugeneigt, die meist zum Schaden Anderer auslaufen.
Aber: das ist bei Weitem nicht das Maßgebliche an diesem Buch. Interessant wird es durch den Erzählstrang, der den Weg von Ariel Sharon von der Kindheit bis zum Tod und seine politischen Winkelzüge beschreibt und vor allem um die Aufarbeitung des Nah-Ost-Konfliktes und seiner Ursprünge. Schätzing seziert die menschlichen, geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründe der Gründung Israels, der Lage der Palästinenser und die emotionalen und religiösen Befindlichkeiten auf beiden Seiten der Konfliktparteien. Man bekommt das Gefühl, erstmals zu verstehen „was da unten eigentlich los ist“. Und da wurde dann das Buch auch für mich als Frau interessant und die oben genannten anderen Komponenten wurden zu Beiwerk, das dennoch eindringlich ein Bild davon zeichnet, mit welchen Gefahren und Bedrohungen die Menschen im Nahen Osten tagtäglich konfrontiert sind. Wie unberechenbar die Lage ist.
Wenn die Erzählung erst einmal in Fahrt gekommen ist, lässt sie einen nicht mehr los. Wer etwas über die Geschichte Israels, Fanatismus, Glaubenskrieg, Kolonialpolitik und die damit einhergehenden menschlichen Tragödien erfahren möchte, und das verpackt in einen kurzweiligen und spannenden Roman, für den gilt diese Leseempfehlung: 5 von fünf Sternen